Wie zwei 48er ihr Blaues Wunder erlebten

Bericht vom 2. Dresdner Nachtlauf


Dresden – Kurz nach 19 Uhr des 19. August stand ich in der Nähe des Dresdner Altmarktes und hielt Ausschau nach Tanja Neubauer, wollte sie doch auch bei der zweiten Auflage des Dresdner Nachtlaufes an den Start gehen. Aber wie sollte ich sie unter den fast zweitausend Startern und unzähligen Zuschauern und Stadtfestbesuchern finden? Also erst mal warmlaufen, die Wilsdruffer Straße rauf und runter, immer an Start und Ziel vorbei und schön die Augen auf. Dann sah ich sie, wie sie mir gemeinsam mit Udo Fischer (SV Schottenstein) entgegen kam. Ein paar Minuten hatten wir noch für die gemeinsame Vorbereitung, dann ging es rein in den Startblock, möglichst weit nach vorne, um dem zu erwartenden Gedränge aus dem Weg zu gehen.

Andreas KerberPünktlich mit Sonnenuntergang um 20:21 Uhr schickte uns Hagen Melzer, der Dresdner Europameister 1986 und Vizeweltmeister 1987 über die 3000m Hindernisstrecke, auf den 13,6 km langen Kurs. Vom Start unweit des Altmarktes ging es sofort Richtung Elbwiesen und dann den Elbradweg flussaufwärts Richtung Blaues Wunder. Tanja nahm gleich richtig Fahrt auf und ich heftete mich erst mal an ihre Fersen. Vorbei an der Baustelle der umstrittenen Waldschlösschenbrücke näherten wir uns dem Wendepunkt der Strecke, ich immer noch kurz hinter Tanja. Langsam senkte sich die Dunkelheit über die nachtschwärmende Läuferschar, auf der anderen Seite des Flusses waren die romantisch beleuchteten Elbschlösser schon in warmes Licht getaucht. Über den „Angelsteg“ erreichten wir jetzt eines der Wahrzeichen Dresdens - die Loschwitzer Brücke,besser bekannt als „Blaues Wunder“. Nach dessen Überquerung erwartete uns ein ca. 1 km langes Kopfsteinpflasterstück, Teil des wieder freigelegten historischen Treidelpfades. Mittlerweile war es richtig dunkel geworden, die Strecke nur noch von Knicklichtern und Fackeln ausgeleuchtet. Wer hier nicht aus dem Tritt kam, war selber schuld, der unmittelbare Nebenmann kaum noch zu erkennen. Hier verlor ich Tanja dann auch endgültig aus den Augen. Vorbei an Schloss Eckberg ging es dann elbabwärts dem Ziel und dem eigentlichen Highlight der Strecke entgegen, der Albertbrücke. Aus dem Dunkel kommend, erblickt des Läufers Auge plötzlich die beleuchtete Silhouette der Dresdner Altstadt mit Frauen-, Kreuz- und Hofkirche, Brühlsche Terrasse, Schloss und Semperoper vor sich - wer da nicht zum Romantiker wird...

Jetzt die letzten 1,5 km durch die Altstadt, durch den Zielbogen und gleich weiter zum Stand einer bekannten Brauerei. Da standen sie auch schon, Tanja und Udo, beide mit super Ergebnissen auf der Habenseite. Während Udo mit 58:56 min. knapp unter einer Stunde blieb, gleichbedeutend mit Platz 3 in der M50 (105. Gesamt Männer), belegte Tanja in 1:02:47 Std. den 2. Platz in der W40 (13. Gesamt Frauen). Ich fand mich mit meinen 1:03:32 Std. schließlich auf dem 33. Platz in der M45 (240. Gesamt)wieder.

Gesamtsieger wurde der Dresdner Lokalmatador Paul Schmidt (TSV Dresden) in 43:08 min. Ihm folgten Lars Roessler (TSV Lok Arnstadt) mit 45:22 min. und Josef Diensthuber (LG Gendorf Wacker Burghausen) mit 46:26 min. auf den Plätzen 2 und 3. Bei den Frauen konnte sich Lisabeth Wagner (Team Centrum Gallerie Dresden) in 53:45 min. vor Caroline Noll (Dresden) mit 53:57 min. und der Schweizerin Simone Bürli (EWZ power team) mit 54:10 min. durchsetzen.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, das Dresden immer eine Reise wert ist, nicht nur um sich die Hacken wund zu laufen. Tanja und Udo sind auch gleich noch ein paar Tage dort geblieben und ich mache mich spätestens Ende Oktober wieder auf nach Elbflorenz, dann zum 13. Dresden Marathon.

Bericht: Andreas Kerber

Ergebnisse unter:  www.laufszene-events.com/dresdner-nachtlauf | >>Bilder

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